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Vom Sportlehrer zum Youtuber


Im Homeschooling kommt die Bewegung bei vielen Schülern zu kurz: Der Weg zur Schule, der Pausenspaß auf dem Hof, der Sportunterricht und auch der Vereinssport fallen für die Mädchen und Jungen im Lockdown weg. Das wollte Paul Ogorsolka, Sportlehrer an der DPFA-Regenbogen-Grundschule Chemnitz, ändern. Er und seine Frau, ebenfalls Sportlehrerin, entwickelten ein eigenes Trainingsprogramm, das Krafttraining, Bewegung und Yoga miteinander verbindet. „Dein Sportlehrer“ heißt der Kanal auf Youtube, auf dem die beiden Pädagogen ihre Übungen zeigen. Aufgenommen werden die Clips in der Turnhalle der DPFA-Regenbogen-Schulen, die mit ihrer natürlichen Ausgestaltung aus Holz eine sehr gute Akustik bietet.

Bewegen und Spaß dabei haben: Das ist ein wichtiges Anliegen von Luise und Paul Ogorsolka. Das Sportlehrer-Ehepaar hat deshalb seinen eigenen Youtube-Kanal gegründet. Screenshot: DPFA Chemnitz

Vom Sportlehrer zum Youtuber – wie kam es dazu, dass du deinen eigenen Kanal gegründet hast?

Es freut mich, dass der Kanal gut ankommt.  Kinder und Eltern bewegen sich, dies war das Ziel. Eine weitere Überlegung war auch, dass wir als Sportlehrer unser Wissen teilen möchten. Gerade jetzt sollen sich möglichst viele Kinder bewegen und von unserem Wissen profitieren. Außerdem können alle Kinder jetzt lernen, dass sie Sport außerhalb der Schule treiben. Ich versuche stets die Chancen zu sehen. Uns war es wichtig, dass wir den Kindern und ihren Familien unkompliziert und unentgeltlich ein aktives Programm anbieten. Für die Durchführung der Übungen braucht man keine zusätzlichen Hilfsmittel.

Wie wichtig ist Bewegung für Kinder? Welche positiven Auswirkungen hat Bewegung?

Bewegung ist enorm wichtig für die kindliche Entwicklung. Kinder brauchen ihre tägliche Bewegungszeit. Leider wird diese im Alltag oft vernachlässigt oder ist nicht möglich, da durch die Bebauung und Straßen kaum Bewegungsmöglichkeiten vorhanden sind. Bewegung hat tatsächlich nur positive Auswirkungen: Ausgeglichenheit, Verhindern von Rückenschmerzen, mehr Ausdauer und Konzentration, besserer Schlaf, Verhinderung von Übergewicht und eine antidepressive Wirkung, um nur einige Beispiele zu nennen.

Wie motiviert man Kinder, Sport zu machen?

Natürlich sollte man mit gutem Beispiel vorangehen. Weiterhin versuche ich, alle Kinder mitzureißen und nicht nur die Sportskanonen im Unterricht für Sport zu begeistern. Alle sollen Spaß haben und sich weiterentwickeln.

Binnen einer Woche hatte dein erstes digitales Workout mehr als 800 Aufrufe - wie sind bisher die Reaktionen von Schülern, Eltern, Kollegen?

Die Reaktionen waren durchweg positiv. Man weiß vorher nie genau, wie es wirklich ankommt. Von der DPFA, Kollegen, aber auch von Schülern und Eltern kamen schon einige Rückmeldungen. Viele machen die Workouts nun regelmäßig. Viele berichteten auch von fiesem Muskelkater. Vor allem in die häusliche Lernzeit lassen sich unsere kurzen Bewegungseinheiten integrieren. Das steigert dann auch die Motivation für den Tag.

Die Clips werden in der 2019 neu errichteten Turnhalle der DPFA-Regenbogen-Schulen Chemnitz aufgenommen. Pro Video investieren Luise und Paul Ogorsolka mehrere Stunden für die Produktion - von der Aufnahme, über das Schneiden, Sprechen und Musik aussuchen bis hin zum Hochladen. Foto: Luise Ogorsolka

Was sind deine Lieblingssportarten?

Mittlerweile bin ich bei Laufsport und Fitness hängen geblieben. Früher war ich 15 Jahre aktiver Judoka.

Wann und wie bist du zur DPFA gekommen?

Im August 2014 fing alles an. Die Schulleitung hatte Vertrauen in meine Fähigkeiten und seitdem bin ich froh Teil des Teams zu sein.

Wie bist du zum Seiteneinsteiger im Lehrerberuf geworden?

Glücklicherweise gab es diese Option. Ich habe einen Master in Sportökonomie (Studium der Sportwissenschaft + BWL). Berufsbegleitend habe ich zahlreiche Weiterbildungen besucht, um so mein Wissen zu vertiefen. Damals zu Beginn des Studiums wäre ich wohl nicht auf die Idee gekommen, Lehrer zu werden. Im Studium habe ich an Untersuchungen zum Bewegungsverhalten bei Kindern teilgenommen und auch Sportkurse für Kinder gegeben. Den Schritt, nun Sport in der Schule zu unterrichten, habe ich nie bereut.

Übungen mit Countdown: Wer schafft es, bis zum Ende durchzuhalten? Den Muskelkater gibt es sozusagen inklusive - zumindest am Anfang. Die Videos sind so abwechslungsreich gestaltet, dass jeden Tag etwas anderes trainiert werden kann. Screenshot: DPFA Chemnitz

Was schätzt du an der Tätigkeit an einer Schule eines freien Trägers?

Ich schätze den Zusammenhalt im Team. Den Austausch auch mit anderen Schularten. Gerade bei uns am Standort Chemnitz ist es wichtig, dass man den Schulalltag der drei Schularten unter einen Hut bringt. Das klappt gut. Vor allem mit den anderen Sportlehrern halte ich regelmäßig Kontakt und man hilft sich gegenseitig.

Was liegt dir bei deiner Arbeit besonders am Herzen? Was ist deine Motivation?

Für meine Motivation der täglichen Arbeit habe ich stets einen Satz von Otfried Preußler im Hinterkopf. 2013 hörte ich diesen in einem Nachruf im Radio. Er sagte in seinem Schlusswort: „Seien Sie gut zu den Kindern…wir haben nix Besseres!“

Wozu möchtest du die Schüler befähigen?

Mein Ziel ist es, dass die Kinder die Freude an der Bewegung erhalten bzw. wieder lernen und möglichst zu einem lebenslangen Sporttreiben motiviert werden.

Neugierig geworden?
Hier geht's zu den virtuellen Sportstunden mit Paul und Luise.